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Web 2.0 in der Perspektive kirchlicher Öffentlichkeitsarbeit

Montag, 18. Januar 2010 | Autor: Alexander Filipović

öa kirchAm Freitag (15.01.2010) war ich zu Gast beim 7. Forum für kirchliche  Öffentlichkeitsarbeit (*.pdf) zum Thema “Web 2.0 – und was nun? Neue Kommunikationsinstrumente für die Gewinnung und Information von neuen Zielgruppen”. Leider konnte ich nicht die ganze Tagung besuchen, so habe ich Jan Schmidts Beitrag verpasst (seine Folien bei slideshare).

Selbst hatte ich die Aufgabe, einen Beitrag von Bischof Dr. Gebhard Fürst zu kommentieren. Bischof Fürst skizzierte (in seiner Funktion als Vorsitzender der publizistischen Kommission der DBK) die Position der Deutschen Bischofskonferenz zu den kirchlichen Bemühungen im Bereich der Neuen Medien. Vor allem setzen die Bischöfe auf Bewegtbilder und arbeiten an einer Plattform, auf der sie die Beiträge publizieren können; der Relaunch von www.katholisch.de steht wohl dieses Jahr bevor.

Mich verwirrt die starke Fokussierung auf Internet-TV ein bisschen, da ich mir nicht so recht vorstellen kann, wer das schauen soll. Allerdings gibt der Erfolg von gloria.tv denjenigen Recht, die dem Internet-TV im Bereich der Kirche eine gute Zukunft voraussagen.

In meinem Kommentar habe ich mich aber vor allem auf Soziale Netzwerke bezogen. Die katholische Kirche ist hier sehr verunsichert, wie da vorzugehen ist: Entweder mit allem Engagement hinein oder eher doch vorsichtig und abwartend. Ich habe im Kommentar versucht zu zeigen, das jede Institution es im Neuen Netz schwer hat und dies für die Institution Kirche vermehrt zutrifft. Es wäre also deutlicher zwischen institutionellen Bemühungen auf der einen und themen- und vor allem personenzentrierten Anstrengungen auf der anderen Seite zu unterscheiden. Für letztere Dimensionen sehe ich gute Möglichkeiten im Neuen Netz. Für diejenigen, die den Vortrag gehört haben, sind vielleicht die Folien interessant (slideshare).

Der Vortrag hat, so mein Eindruck, einen kleinen Startschuss geben können für eine sehr rege Diskussion über neue Formen der kirchlichen Kommunikation. Auch meine Idee einer Iphone-App, die den nächsten Gottesdienst in der Nähe anzeigt, ist offenbar auf fruchtbaren Boden gefallen. Zuetzt: Getwittert wurde auch sehr rege, auch zu dem Vortrag von Jürgen Pelzer.

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Präsentation zum Web 2.0 in sozialethischer Perspektive

Montag, 31. März 2008 | Autor: Alexander Filipović

Ergänzend zu dem vorigen Beitrag liefere ich hier vor allem für die Kollegen, die meinen Vortrag beim “Berliner Werkstattgespräch der Sozialethiker(innen)” (27.02.2008, Katholische Akademie, Berlin) gehört haben, die Präsentation nach. Downloadmöglichkeit hier.

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Das “Web 2.0″ in sozialethischer Perspektive

Mittwoch, 26. März 2008 | Autor: Alexander Filipović

Handelt es sich beim Web 2.0 („Social Web“) um einen Forschungsgegenstand der (christlichen) Sozialethik?1 Welche Fragen wären zu stellen und wie könnte ein Forschungsdesign aussehen?

Das neue Netz wird in einem sozialethischen Ansatz vor allem als soziales Phänomen zu untersuchen sein. Eine deutliche Absage an technikzentrierte und allein ökonomische Analysen bedeutet dabei nicht, dass nicht auch Technik und Ökonomie mit diesen sozialen Phänomenen in Zusammenhang stehen. Es interessieren also soziale Prozesse der Online-Kommunikation, die einer Forschung zugänglich sind, wenn

„man kollektiv geteilte Gebrauchsweisen oder Praktiken untersucht, in denen individuelle und strukturelle Elemente zusammen fließen“ (Schmidt 2006: 38).

Dieser sozialwissenschaftliche „praxistheoretische“ Zugriff startet mit der Erkenntnis,

„dass sich in der Nutzung von Social Software Verwendungsgemeinschaften herausbilden, das heißt Gruppen von Personen, die eine Anwendung in ähnlicher Art und Weise nutzen“ (Schmidt 2006: 38 unter Rückgriff auf Höflich 2003).

Ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken damit Regeln und Regelmäßigkeiten, also Strukturen, die nicht nur „vorschreibend“ wirken und als „außerhalb von Akteuren vorfindlich“ interpretiert werden, sondern auch als symbolischer Horizont fungieren, innerhalb dessen Handelnde Handlungen und Ereignisse im Internet mit Bedeutung versehen.

Das Social Web oder Web 2.0 wird also als eine „Struktur“ verstanden, die (teil-) öffentliche Online-Kommunikationen als situierte und kreative Handlungen2 ermöglicht und stabilisiert. Dabei ist die Struktur zwar in gewisser Weise dem Handeln vorgängig, aber laufend veränderbar und empirisch weniger zugänglich als die Handlungen und Verwendungspraktiken.

Eine empirische Erhebung und Analyse der Handlungen und Verwendungspraktiken führt Jan Schmidt zur Formulierung einer inzwischen oft zitierten funktionalen Trias der Social-Web-Nutzung (vgl. Schmidt 2006a: 172f.). Aus der Forschungsperspektive der Sozialethik lässt sich das unter Rückgriff auf Schmidt (vgl. z.B. auch hier) so formulieren: Der sozialethische Blick auf das Web 2.0 interessiert sich für Regeln, Normen, Strukturen, Strategien, Routinen und Erwartungen

  • „für die Selektion und Rezeption von Informationen, die das Informationsmanagement beeinflussen“,
  • „für „die Präsentation des eigenen Selbst im Internet, die das Identitätsmanagement beeinflussen“,
  • „für Aufbau und Pflege von Netzwerken, die das Beziehungsmanagement beeinflussen“ (Schmidt 2006: 39).

Diese sozialen „Praktiken des Gebrauchs“ (Schmidt 2006: 39) werden durch eine „Struktur“ („Social Software“) ermöglicht und bringen diese hervor. Die konkreten Verwendungsweisen sind dabei abhängig von Erfahrungen anderer Formen des Informations-, Identitäts- und Beziehungsmanagements und knüpfen an an die Nutzung anderer öffentlicher Kommunikationsgelegenheiten. Sie sind eingebettet in weitere soziale Zusammenhänge. Studenten, Wissenschaftler und Politiker nutzen diese Strukturen also in ganz unterschiedlicher Weise.

Der mit Web 2.0 oder Social Web umschriebene sozialethische Forschungsgegenstand versteht also das Web 2.0 als „diejenigen onlinebasierten Anwendungen, die Informations-, Identitäts- und Beziehungsmanagement in den (Teil- )Öffentlichkeiten hypertextueller und sozialer Netzwerke unterstützen“ (Schmidt 2008: 71) – jedenfalls erscheint das als gangbarer Weg.

Diese funktionale Trias ist dabei, wenn ich das richtig verstehe, keine normative Setzung, sondern eine interpretative Leistung empirischer Untersuchungen gemeinsamer Verwendungsweisen, zum Teil auch aus Selbstaussagen von Nutzerinnen und Nutzern. Dennoch könnte hier (neben und zusammen mit der der sozialwissenschaftlichen Herangehensweise) auch eine sozialethische Fragestellung anknüpfen:

Menschen erfahren normative Ansprüche an ihr Kommunizieren und Handeln vermehrt in den mit der funktionalen Trias der Social-Web-Nutzung beschriebenen spezifischen Situationen des “social web”; ihnen ist die Gestaltung des Lebens und die Bewältigung dieses Projektes in diesen konkreten Fällen aufgegeben. Wo heute Informations-, Identitäts- und Beziehungsmangement „prekär“ werden, stellt das Social Web eine (knappe?) soziale Beteiligungsressource dar. Das ist im Prinzip, wie an anderer Stelle ausgeführt (vgl. Filipović 2007), eine Frage sozialer Gerechtigkeit. In Zeiten, in denen sich das Verhältnis von Lokalität und Globalität3, Privatheit und Öffentlichkeit, Intimität und Distanz 4, Sicherheit und Unsicherheit und Vertrautheit und Vertrauen neu sortiert bzw. die integrative Bewältigung dieser Aspekte (um nicht von Polen oder Dichtomien zu sprechen) eine „Aufgabe“ darstellt, deren Bearbeitung in neuen Sozialformen stattfindet, wird eine Sozialethik öffentlicher Kommunikation, die die kommunikativen Formen im Web 2.0 berücksichtigt und eigens untersucht, in neuer Weise relevant.

Diese sozialethisch-problemorientierte Perspektive lässt sich abschließend folgender Maßen veranschaulichen:

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Literatur

  • Boyd, Danah (2005): Why Web2.0 Matters: Preparing for Glocalization. Online verfügbar unter http://www.zephoria.org/thoughts/archives/2005/09/05/why_web20_matte.html, zuletzt geprüft am 05.08.2006.
  • Filipović, Alexander (2007): Beteiligungsgerechtigkeit als (christlich-)sozialethische Antwort auf Probleme moderner Gesellschaften. In: Eckstein, Christiane; Filipović, Alexander; Oostenryck, Klaus (Hg.): Beteiligung, Inklusion, Integration. Sozialethische Konzepte für die moderne Gesellschaft. Münster, Westf.: Aschendorff (Forum Sozialethik, 5), S. 29–40.
  • Höflich, Joachim R. (2003): Mensch, Computer und Kommunikation. Theoretische Verortungen und empirische Befunde. Frankfurt am Main: Lang.
  • Joas, Hans (1999): Einleitung: Schritte zu einer pragmatistischen Handlungstheorie. In: Joas, Hans: Pragmatismus und Gesellschaftstheorie. 2. Aufl. Frankfurt am Main: Suhrkamp, S. 7-22.
  • Reichelt, Leisa (2007): Ambient Intimacy. Online verfügbar unter http://www.disambiguity.com/ambient-intimacy/, zuletzt aktualisiert am 01.03.2007, zuletzt geprüft am 20.02.2008.
  • Schmidt, Jan (2006): Social Software: Onlinegestütztes Informations-, Identitäts- und Beziehungsmanagement. In: Forschungsjournal Neue Soziale Bewegungen, Jg. 19, H. 2, S. 37–47.
  • Schmidt, Jan (2006a): Weblogs. Eine kommunikationssoziologische Studie. Konstanz: UVK.
  • Schmidt, Jan (2008): Zu Form und Bestimmungsfaktoren weblogbasierter Netzwerke. Das Beispiel twoday.net. In: Stegbauer, Christian (Hg.): Social Software. Formen der Kooperation in computerbasierten Netzwerken. Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss., S. 71–93.

Disclaimer: Dieser Artikel steht im Zusammenhang mit dem Forschungsprojekt “Social Software and Social Ethics“, das am Lehrstuhl Christliche Soziallehre und Allgemeine Religionssoziologie an der Uni Bamberg (Prof. Dr. Marianne Heimbach-Steins) unter meiner Leitung durchgeführt wird. Vgl. die Einträge in diesem Blog zum Forschungsprojekt unter dem Stichwort “SocSoftEthics


1 Zur Skizze einer Beantwortung dieser Frage setze ich ein gewisses Verständnis von “Sozialethik” voraus (vgl. z.B. hier ). Teile dieses Postings gehen zurück auf meinen Vortrag zum Thema “Sozialethische Herausforderungen des Web 2.0″ bei dem “Berliner Werkstattgespräch der Sozialethiker(innen)” (27.02.2008, Katholische Akademie, Berlin:)

2 In dieser Formulierung deutet sich an, dass ich von einem pragmatistischen Handlungsbegriff ausgehe, vgl. dazu Joas 1999.

3 “Web2.0 is about glocalization, it is about making global information available to local social contexts and giving people the flexibility to find, organize, share and create information in a locally meaningful fashion that is globally accessible.” (Boyd 2005)

4 “Ambient intimacy is about being able to keep in touch with people with a level of regularity and intimacy that you wouldn’t usually have access to, because time and space conspire to make it impossible.” (Reichelt 2007)

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Forschungen über das Verhältnis von Blogs und Journalismus

Mittwoch, 20. Februar 2008 | Autor: Alexander Filipović

Die verstreuten Forschungen über das Verhältnis von Weblogs und Journalismus hat Dominik Schneider bei Sinnmacher veröffentlicht. Nach einer ausführlichen Auswertung verschiedener Studien kann er zusammenfassen:

Weblogs und der traditionelle Journalismus stehen in einer Wechselbeziehung, die durch Induktionen und Adaptionen gekennzeichnet ist: Weblogs und Journalismus sind komplementär! Im Gegensatz zur Beziehung von PR und Journalismus (Intereffikation/Interdependenz), bedingen sich Weblogs und Journalismus gegenseitig nicht.

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Webmontag für Franken

Sonntag, 2. Dezember 2007 | Autor: Alexander Filipović

Florian Bailey hat mich auf den “Webworgerdable, den Webmontag für Franken” aufmerksam gemacht. Vielleicht gehe ich da sogar mal hin.

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Tagungsrückblick “das neue netz”

Montag, 24. September 2007 | Autor: Alexander Filipović

Ende letzter Woche konnte ich die Hälfte der Tagung “das neue netz? Bestandsaufnahme & Perspektiven” besuchen (und die Ergebnisse von Slot I, Slot II und Slot III kurz wiedergeben). Die Vorträge und Diskussionen fand ich sehr anregend, die Atmosphäre für eine wissenschaftliche Tagung einmalig: viele junge Leute, sehr offen und gesprächig. Über die inhaltlichen Anregungen für mein Projekt “Sozialethik und Web 2.0” muss ich mir noch Gedanken machen. Interessant erscheinen mir in einem ersten kurzen Nachdenken die Fragen:

  • Hat das Web 2.0 eine Integrationsfunktion für die Gesellschaft?
  • Vergrößern das Web 2.0 als “Partizipationsarchitektur” die Teilhabechancen an gesellschaftlichen Ressourcen (kulturell, soziale, wirtschaftliche…)?
  • Welche Anthropologie hat die Web 2.0-Forschung und welche Rolle spiel dabei “Körper/Leib”?
  • Welche Rolle spielt das Verhältnis von “self-disclosure” und “Need for privacy” für die zivigesellschaftliche Bedeutung des Mitmach-Webs?
  • Wie ist es um die Bedeutung der Vertrautheit mit dem Web 2.0 bestellt und in welcher Relation steht damit das Vertrauen im Web 2.0? Kann Vertrauen hier als kognitive Modalisierung einer Erwartungshaltung bestimmt werden oder handelt es sich um normative Formen?1 Kann man hinsichtlich des Vertrauens im Web 2.0 noch von Vertrauen als “eine der wichtigsten synthetischen Kräfte”2 sprechen?
  • Welche Möglichkeiten gibt es, das im Netz Unsichtbare (weil nicht verlinkt, nicht zitiert), aber obgleich Relevante (Alltagserfahrungen von Marginalisierten usw.) sichtbar zu machen?
  • Welche Argumente gibt es eigentlich, warum ein Informationsbedürfnis nicht mit einem Konsumbedürfnis gleichgesetzt werden darf? Worin liegt die andere Qualität eines Informationsbedürfnisses gegenüber einem Konsumbedürfnis?

Weitere Informationen zu der Tagung:

Weitere Beiträge bei Technorati und Fotos bei Flickr.

Disclaimer: Dieser Artikel steht im Zusammenhang mit dem Forschungsprojekt “Social Software and Social Ethics“, das am Lehrstuhl Christliche Soziallehre und Allgemeine Religionssoziologie an der Uni Bamberg (Prof. Dr. Marianne Heimbach-Steins) unter meiner Leitung durchgeführt wird. Vgl. die Einträge in diesem Blog zum Forschungsprojekt unter dem Stichwort “SocSoftEthics


1 Gedanken zur Bedeutung des Vertrauens in der “Wissensgesellschaft” habe ich schon einmal hier veröffentlicht: Filipović, Alexander: Notwendige Vorurteile? Vertrauen in der Wissensgesellschaft. Aus: Filipović, Alexander; Kunze, Axel Bernd (Hrsg.): Wissensgesellschaft. Herausforderungen für die Christliche Sozialethik. Münster (Lit) 2003 (= Bamberger Theologisches Forum. 6), S. 47-56. Damals habe ich vor allem Luhmanns Vertrauens-Konzeption und Heidenreichs Wissensgesellschafts-Verständnis herangezogen.

2 Simmel, Georg [1908] (1968): Soziologie. Untersuchungen über die Formen der Vergesellschaftung. 5. Aufl. Berlin (= Gesammelte Werke. 2.), 263.

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Tagung “das neue netz” III

Freitag, 21. September 2007 | Autor: Alexander Filipović

Zu den Vorträgen im Slot 3.
Tina Guenther spricht über die Frage, ob die Problematik des Vertrauens im Netz relevant ist. Sie unterscheidet drei Bereiche: Märkte, Wissenserstellung und -management und schließlich Identitätsmanagement. Sie führt zunächst einige Voraussetzungen auf, die gegeben sein müssen, damit Vertrauen entsteht: actors, expectations, vulnerability, uncertainty, agency und embededness. Leitend ist dabei, dass Vertrauen als soziale Beziehung angesehen wird. Sie geht alle drei Bereiche durch und testet, ob diese Voraussetzungen gegeben sind. Vertrauen erscheint damit als extrem voraussetzungsvoller Begriff. Im nächsten Schritt führt sie für die drei Bereiche wiederum sechs Elemente auf, die Vertrauen online konstituieren bzw. etablieren. Das sind: Gründe (Nutzen und Signale), Routinen des Vetrauens (z.B. Evaluationssysteme), Reflexivität im Sinne von Erfahrung und Lernen, suspension und “Sprung des Glaubens” (positive Vorwegnahme von Erwartungen), Experiencing (Gefühle) und schließlich enacting (Vetrauen möglich machen durch Vertrauen).

In der nachfolgenden Präsentation stellt Klaus Stein (mit Claudia Hess) Überlegungen zum Thema “Suchen und Bewerten – Sichtbarkeit auf Dokumenten- und Vertrauensnetzwerken” vor. Leitend ist dabei die Perspektive der Informatik. Entscheidende Schwierigkeit von Suchmaschinen ist der Informationsüberfluss. (Dokumenten-)Sichtbarkeit erscheint dabei als entscheidender Faktor der Bewertung, wobei die Schwierigkeit darin besteht, dass man nicht weiß, warum ein Link gesetzt wird. Dafür werden Netzwerke von Personen herangezogen, die anhand von Vertrauen und Reputation untersucht werden und es entstehen Autoren-Dokumenten-Netzwerke. Mit diesem Ansatz kommen Suchmaschinen zu besseren Ergebnissen (”Sichtbarkeitsberechnung” als Empfehlungen).

Der dritte Vortrag schließt thematisch an: Theo Röhle spricht über “Suche 2.0: Social Search zwischen Werbung und Information”. Er startet mit der Frage, warum Suchmaschinenanbieter die Intentionen von Nutzern verstehen wollen: Zur Werbung (Suchmaschinen-Marketing) oder zur Verbesserung der Suchmaschinenergebnisse? Seine antwort auf die Frage: Was ist “social search”? “Social Search tools are internet wayfinding services informed by human judgement” (Chris Sherman). Theo fokussiert im Folgenden auf “personalized verticals” – Suchmaschinen, die von einzelnen zu bestimmten Themen “gebaut” werden können. Dafür stehen diverse Dienste bereit (”swicki”). Seine Betrachtungen laufen auf eine Untersuchung des Suchmaschinenmarketings hinaus. Das Marketing identifiziert Informationsbedürfnis mit Konsumbedürfnis. Letzte Entwicklungen in diesem Bereich stellen das behavior targeting dar. Social Search sieht er mit einer Tendenz der Umdeutung von Informationsbedürfnissen in Konsumtionsbedürfnisse.

[tag: dnn2007]

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Tagung “das neue netz” II

Freitag, 21. September 2007 | Autor: Alexander Filipović

Weiter geht es im “Slot 2″.
Lars Alberth spricht über “Körper und Selbst” im Web 2.0. Verwundert zeigt er sich darüber, dass der Körper nicht in der Web 2.0-Forschung vorkommt. Für “Praxis” sei dagegen immmer “Köper” notwendig (Anselm Strauss). Als “gesellschaftstheoretische Annahme” sieht er Netzwerkgesellschaft als Kontrollgesellschaft und mit Gramsci die Blogger als “organische Intellektuelle”.
“Techniken des Selbst” haben mit Foucault eine ethische Relevanz. Als Beispiele führt er Websites an, auf denen Körperlichkeit im Mittelpunkt steht – Körperlichkeit aber weniger als sinnliche Körperlichkeit, sondern eher im Umfeld von Effizienz-Fragen (wettkampffähiger Körper).
Er führt als Kategorie “trajectories” (”Flugbahnen des Selbst”) ein, die den Entwurfscharakter der Körperthematisierung betonen. Fazit: Körper sind ein Thema von Weblogs und Weblogs sind darüber hinaus “originäre Medien von Selbst und Körper im Web 2.0″.

Leonard Reinecke spricht danach über “Privatsphäre 2.0″. Zunächst thematisiert er Konstrukte des Zusammenhangs von Web 2.0-Nutzung und Freigabe von persönlichen Daten (Affinität zum Web 2.0; Motive der Web 2.0 Nutzung). Gratifikationen der Web 2.0 Nutzung sind mit self-disclosure verbunden. Gleichzeit spielt aber auch “Need for privacy” eine Rolle. Vermutlich sei also das Web 2.0 für Menschen mit einem geringeren “Need for privacy” attraktiver. Als Konzept für die Werteunterschiede von Web 2.0 Nutzern zieht er den allgemeinen Wertekanon von Schwartz heran, der 10 universelle Wertetypen vorstellt. Als Forschungsfrage wird dann formuliert, ob sich der Wertekanon von Nutzern mit einer hohen Affinität zum Web 2.0 von dem Wertekanon unterscheidet, die eine geringere Affinität haben.

Einige Ergebnisse der empirischen Untersuchung: Produzenten von User-Generated-Content haben eine hohe Bereitschaft zur self-disclosure, wogegen Web 2.0 affine Nutzer sich in ihrem “Need for privacy” nicht von weniger affinen unterscheiden. Web 2.0 Produzenten zeigen eine höhere Community-Orientierung und Offenheit für Innovationen. Abstinenzler zeigen ein größeres Sicherheitsbedürfnis.

Sein Fazit zum Thema Web 2.0 und Privatsphäre: Web 2.0 ist trotz einer größeren Bereitschaft der Preisgabe von privaten Informationen “kein Raum des grenzenlosen Exhibitionismus”.

[tag: dnn2007]

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Tagung “das neue netz” I

Freitag, 21. September 2007 | Autor: Alexander Filipović

Gerade beginnt die Tagung “das neue netz”. Ich versuche wieder das Live-Blogging- weniger als Verlaufs- denn als Ergebnis- “Protokoll”.
Nach Begrüßung durch Florian Meyer und Grußwort durch Prof. Dr. Stöber beginnt im Slot 1 Jan Schmidt mit der “kurzen Geschichte des Web 2.0″. Er stellt diverse Visualisierungen des Web 2.0 vor (Collagen von Logos, Tag-Cloud von O’Reilly und die Landkarte des Web 2.0). Ihre Nachteile liegen in einer gewissen Statik, die die Prozesshaftigkeit des Phänomens und die Vorläufer des neuen Netzes nicht berücksichtigen. In diesem Sinne besser ist die Abbildung “The Rise of Citizen Media” und ein Vorschlag, den Jan selber anbringt. Damit betont er die Kontinuität der Internetentwicklung und der damit zusammenhängenden Praktiken (”inkrementeller Wandel”) statt eines revolutionären Bruches, der mit dem Start des Web 2.0 augenscheinlich angefangen habe.
Entscheidend ist dann die Analyse dieser Praktiken, womit dann ein bestimmter praxistheoretischer Ansatz als analytischer Rahmen verbunden ist. Mitberücksichtigt werden dabei Praktiken, die über das Netz “zeitlich wie ‘räumlich’ ” hinausreichen. Das neuen Netz reicht also in das “echte Leben” hinein. Jan formuliert die These, dass dieser Umstand gerade ein Kennzeichen des neuen Netzes ist. Damit sind die Voraussetzungen dargelegt, mit denen Jan seine trinitarische Analytik von Identitäts-, Beziehungs- und Wissensmanagement als Funktionen des neuen Netzes erläutert.
Folgen der Nutzungspraktiken bauen nicht nur auf Erfahrungen von außerhalb auf, sondern ihre Folgen reichen auch darüber hinaus: Etwa könnte die Zunahme von “Produsage” auf eine Veränderung der gesellschaftlichen Wissensordnung hinauslaufen oder Machtverhältnisse neu sortieren.

Der nächste Vortrag von Kolleginnen und Kollegen (alle drei in schwarz-weiß…) von der Uni Hohenheim stellt den Mediennutzer in den Fokus. Zunächst stellt Monika Taddicken sie charakteristische “Wesensmerkmale” des Web 2.0 vor: zentrale Plattform, vereinfachter Zugang, teil-öffentlich, nicht-flüchtig, Strukturierung durch Gemeinschaft (z.B. gemeinsames Tagging), Interaktivität und Vergemeinschaft. Zusammenfassend: “architecture of participation” (O’Reilly), “Produsage” und neuen Formen von Vergesellschaftung. Web 2.0 wird als “soziale Innovation” verstanden, etwa durch “neue Teilhabemöglichkeit”. Systematisch unterscheiden sie nach Mikro-, Meso- und Makroebene und darin jeweils nach Ursachen und Wirkungen. Im Rahmen dieses Rasters kommt zunächst der Uses-and-Gratifications-Approach, dessen Grundannahme ein aktiver Rezipient ist, in der Vorstellung durch Anke Tschoerner zum Zuge. Dann verortet Ljewin Scheiko das Meinungsführer-Konzept in dem Raster. Dieser Ansatz geht davon aus, dass persönliche Kontakte als einflussreichste Informationsquelle angesehen werden und überträgt diesen Ansatz auf eine virtuelle Meinungsführerschaft durch Medien, Internet und Web 2.0. Gerade das Web 2.0 “bietet Meinungsführern eine hervorragende (globale!) Plattform”, womit natürlich Machtfragen verbunden sind.

[tag: dnn2007]

Thema: SocSoftEthics, Tagungen, Wissenschaft, dnn2007 | Ein Kommentar

Zeitunglesen im Web 2.0

Mittwoch, 19. September 2007 | Autor: Alexander Filipović

Interessant finde ich die Begründung der New York Times, warum sie künftig Ihre Inhalte gratis zur Verfügung stellt (via Wortfeld): Der moderne Leser liefert sich nicht mehr einer Zeitung(sredaktion) aus, um informiert und angeregt zu werden. Der Leser wird in Zeiten des neuen Netzes (Stichwort Web 2.0 bzw. social media und social software) über Suche, Blogs und Social Networks auf bestimmte Inhalte aufmerksam. Die New York Times reagiert also auf den Umstieg vom Push- zum Pull-Prinzip massenmedialer Kommunikation (den ich als generelle Herausforderung einer “Medienethik 2.0″ verstehe1) und auf das social web durch eine Erleichterung des Zugangs zu ihren Inhalten. Medienrezeption ist eine soziale Angelegenheit2 – das wird im Web 2.0 immer deutlicher.

Disclaimer: Dieser Artikel steht im Zusammenhang mit dem Forschungsprojekt “Social Software and Social Ethics“, das am Lehrstuhl Christliche Soziallehre und Allgemeine Religionssoziologie an der Uni Bamberg (Prof. Dr. Marianne Heimbach-Steins) unter meiner Leitung durchgeführt wird. Vgl. die Einträge in diesem Blog zum Forschungsprojekt unter dem Stichwort “SocSoftEthics


1 Vgl. Filipović, Alexander (2007): Neue Medienkompetenz und Beteiligungsgerechtigkeit. Herausforderungen für die Medien- und Kommunikationsethik. In: Communicatio Socialis, Jg. 37, H. 3, S. 233-245, hier: 238-243.

2 Wer da tiefer einsteigen möchte findet hier unter Umständen weitere Hinweise: Filipović, Alexander (2007): Öffentliche Kommunikation in der Wissensgesellschaft. Sozialethische Analysen. Bielefeld (W. Bertelsmann Verlag) 2007 (Forum Bildungsethik. 2), S. 109-111.

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