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Das “Web 2.0″ in sozialethischer Perspektive

Mittwoch, 26. März 2008 | Autor: Alexander Filipović

Handelt es sich beim Web 2.0 („Social Web“) um einen Forschungsgegenstand der (christlichen) Sozialethik?1 Welche Fragen wären zu stellen und wie könnte ein Forschungsdesign aussehen?

Das neue Netz wird in einem sozialethischen Ansatz vor allem als soziales Phänomen zu untersuchen sein. Eine deutliche Absage an technikzentrierte und allein ökonomische Analysen bedeutet dabei nicht, dass nicht auch Technik und Ökonomie mit diesen sozialen Phänomenen in Zusammenhang stehen. Es interessieren also soziale Prozesse der Online-Kommunikation, die einer Forschung zugänglich sind, wenn

„man kollektiv geteilte Gebrauchsweisen oder Praktiken untersucht, in denen individuelle und strukturelle Elemente zusammen fließen“ (Schmidt 2006: 38).

Dieser sozialwissenschaftliche „praxistheoretische“ Zugriff startet mit der Erkenntnis,

„dass sich in der Nutzung von Social Software Verwendungsgemeinschaften herausbilden, das heißt Gruppen von Personen, die eine Anwendung in ähnlicher Art und Weise nutzen“ (Schmidt 2006: 38 unter Rückgriff auf Höflich 2003).

Ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken damit Regeln und Regelmäßigkeiten, also Strukturen, die nicht nur „vorschreibend“ wirken und als „außerhalb von Akteuren vorfindlich“ interpretiert werden, sondern auch als symbolischer Horizont fungieren, innerhalb dessen Handelnde Handlungen und Ereignisse im Internet mit Bedeutung versehen.

Das Social Web oder Web 2.0 wird also als eine „Struktur“ verstanden, die (teil-) öffentliche Online-Kommunikationen als situierte und kreative Handlungen2 ermöglicht und stabilisiert. Dabei ist die Struktur zwar in gewisser Weise dem Handeln vorgängig, aber laufend veränderbar und empirisch weniger zugänglich als die Handlungen und Verwendungspraktiken.

Eine empirische Erhebung und Analyse der Handlungen und Verwendungspraktiken führt Jan Schmidt zur Formulierung einer inzwischen oft zitierten funktionalen Trias der Social-Web-Nutzung (vgl. Schmidt 2006a: 172f.). Aus der Forschungsperspektive der Sozialethik lässt sich das unter Rückgriff auf Schmidt (vgl. z.B. auch hier) so formulieren: Der sozialethische Blick auf das Web 2.0 interessiert sich für Regeln, Normen, Strukturen, Strategien, Routinen und Erwartungen

  • „für die Selektion und Rezeption von Informationen, die das Informationsmanagement beeinflussen“,
  • „für „die Präsentation des eigenen Selbst im Internet, die das Identitätsmanagement beeinflussen“,
  • „für Aufbau und Pflege von Netzwerken, die das Beziehungsmanagement beeinflussen“ (Schmidt 2006: 39).

Diese sozialen „Praktiken des Gebrauchs“ (Schmidt 2006: 39) werden durch eine „Struktur“ („Social Software“) ermöglicht und bringen diese hervor. Die konkreten Verwendungsweisen sind dabei abhängig von Erfahrungen anderer Formen des Informations-, Identitäts- und Beziehungsmanagements und knüpfen an an die Nutzung anderer öffentlicher Kommunikationsgelegenheiten. Sie sind eingebettet in weitere soziale Zusammenhänge. Studenten, Wissenschaftler und Politiker nutzen diese Strukturen also in ganz unterschiedlicher Weise.

Der mit Web 2.0 oder Social Web umschriebene sozialethische Forschungsgegenstand versteht also das Web 2.0 als „diejenigen onlinebasierten Anwendungen, die Informations-, Identitäts- und Beziehungsmanagement in den (Teil- )Öffentlichkeiten hypertextueller und sozialer Netzwerke unterstützen“ (Schmidt 2008: 71) – jedenfalls erscheint das als gangbarer Weg.

Diese funktionale Trias ist dabei, wenn ich das richtig verstehe, keine normative Setzung, sondern eine interpretative Leistung empirischer Untersuchungen gemeinsamer Verwendungsweisen, zum Teil auch aus Selbstaussagen von Nutzerinnen und Nutzern. Dennoch könnte hier (neben und zusammen mit der der sozialwissenschaftlichen Herangehensweise) auch eine sozialethische Fragestellung anknüpfen:

Menschen erfahren normative Ansprüche an ihr Kommunizieren und Handeln vermehrt in den mit der funktionalen Trias der Social-Web-Nutzung beschriebenen spezifischen Situationen des “social web”; ihnen ist die Gestaltung des Lebens und die Bewältigung dieses Projektes in diesen konkreten Fällen aufgegeben. Wo heute Informations-, Identitäts- und Beziehungsmangement „prekär“ werden, stellt das Social Web eine (knappe?) soziale Beteiligungsressource dar. Das ist im Prinzip, wie an anderer Stelle ausgeführt (vgl. Filipović 2007), eine Frage sozialer Gerechtigkeit. In Zeiten, in denen sich das Verhältnis von Lokalität und Globalität3, Privatheit und Öffentlichkeit, Intimität und Distanz 4, Sicherheit und Unsicherheit und Vertrautheit und Vertrauen neu sortiert bzw. die integrative Bewältigung dieser Aspekte (um nicht von Polen oder Dichtomien zu sprechen) eine „Aufgabe“ darstellt, deren Bearbeitung in neuen Sozialformen stattfindet, wird eine Sozialethik öffentlicher Kommunikation, die die kommunikativen Formen im Web 2.0 berücksichtigt und eigens untersucht, in neuer Weise relevant.

Diese sozialethisch-problemorientierte Perspektive lässt sich abschließend folgender Maßen veranschaulichen:

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Literatur

  • Boyd, Danah (2005): Why Web2.0 Matters: Preparing for Glocalization. Online verfügbar unter http://www.zephoria.org/thoughts/archives/2005/09/05/why_web20_matte.html, zuletzt geprüft am 05.08.2006.
  • Filipović, Alexander (2007): Beteiligungsgerechtigkeit als (christlich-)sozialethische Antwort auf Probleme moderner Gesellschaften. In: Eckstein, Christiane; Filipović, Alexander; Oostenryck, Klaus (Hg.): Beteiligung, Inklusion, Integration. Sozialethische Konzepte für die moderne Gesellschaft. Münster, Westf.: Aschendorff (Forum Sozialethik, 5), S. 29–40.
  • Höflich, Joachim R. (2003): Mensch, Computer und Kommunikation. Theoretische Verortungen und empirische Befunde. Frankfurt am Main: Lang.
  • Joas, Hans (1999): Einleitung: Schritte zu einer pragmatistischen Handlungstheorie. In: Joas, Hans: Pragmatismus und Gesellschaftstheorie. 2. Aufl. Frankfurt am Main: Suhrkamp, S. 7-22.
  • Reichelt, Leisa (2007): Ambient Intimacy. Online verfügbar unter http://www.disambiguity.com/ambient-intimacy/, zuletzt aktualisiert am 01.03.2007, zuletzt geprüft am 20.02.2008.
  • Schmidt, Jan (2006): Social Software: Onlinegestütztes Informations-, Identitäts- und Beziehungsmanagement. In: Forschungsjournal Neue Soziale Bewegungen, Jg. 19, H. 2, S. 37–47.
  • Schmidt, Jan (2006a): Weblogs. Eine kommunikationssoziologische Studie. Konstanz: UVK.
  • Schmidt, Jan (2008): Zu Form und Bestimmungsfaktoren weblogbasierter Netzwerke. Das Beispiel twoday.net. In: Stegbauer, Christian (Hg.): Social Software. Formen der Kooperation in computerbasierten Netzwerken. Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss., S. 71–93.

Disclaimer: Dieser Artikel steht im Zusammenhang mit dem Forschungsprojekt “Social Software and Social Ethics“, das am Lehrstuhl Christliche Soziallehre und Allgemeine Religionssoziologie an der Uni Bamberg (Prof. Dr. Marianne Heimbach-Steins) unter meiner Leitung durchgeführt wird. Vgl. die Einträge in diesem Blog zum Forschungsprojekt unter dem Stichwort “SocSoftEthics


1 Zur Skizze einer Beantwortung dieser Frage setze ich ein gewisses Verständnis von “Sozialethik” voraus (vgl. z.B. hier ). Teile dieses Postings gehen zurück auf meinen Vortrag zum Thema “Sozialethische Herausforderungen des Web 2.0″ bei dem “Berliner Werkstattgespräch der Sozialethiker(innen)” (27.02.2008, Katholische Akademie, Berlin:)

2 In dieser Formulierung deutet sich an, dass ich von einem pragmatistischen Handlungsbegriff ausgehe, vgl. dazu Joas 1999.

3 “Web2.0 is about glocalization, it is about making global information available to local social contexts and giving people the flexibility to find, organize, share and create information in a locally meaningful fashion that is globally accessible.” (Boyd 2005)

4 “Ambient intimacy is about being able to keep in touch with people with a level of regularity and intimacy that you wouldn’t usually have access to, because time and space conspire to make it impossible.” (Reichelt 2007)

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Forschungen über das Verhältnis von Blogs und Journalismus

Mittwoch, 20. Februar 2008 | Autor: Alexander Filipović

Die verstreuten Forschungen über das Verhältnis von Weblogs und Journalismus hat Dominik Schneider bei Sinnmacher veröffentlicht. Nach einer ausführlichen Auswertung verschiedener Studien kann er zusammenfassen:

Weblogs und der traditionelle Journalismus stehen in einer Wechselbeziehung, die durch Induktionen und Adaptionen gekennzeichnet ist: Weblogs und Journalismus sind komplementär! Im Gegensatz zur Beziehung von PR und Journalismus (Intereffikation/Interdependenz), bedingen sich Weblogs und Journalismus gegenseitig nicht.

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Webmontag für Franken

Sonntag, 2. Dezember 2007 | Autor: Alexander Filipović

Florian Bailey hat mich auf den “Webworgerdable, den Webmontag für Franken” aufmerksam gemacht. Vielleicht gehe ich da sogar mal hin.

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Zeitunglesen im Web 2.0

Mittwoch, 19. September 2007 | Autor: Alexander Filipović

Interessant finde ich die Begründung der New York Times, warum sie künftig Ihre Inhalte gratis zur Verfügung stellt (via Wortfeld): Der moderne Leser liefert sich nicht mehr einer Zeitung(sredaktion) aus, um informiert und angeregt zu werden. Der Leser wird in Zeiten des neuen Netzes (Stichwort Web 2.0 bzw. social media und social software) über Suche, Blogs und Social Networks auf bestimmte Inhalte aufmerksam. Die New York Times reagiert also auf den Umstieg vom Push- zum Pull-Prinzip massenmedialer Kommunikation (den ich als generelle Herausforderung einer “Medienethik 2.0″ verstehe1) und auf das social web durch eine Erleichterung des Zugangs zu ihren Inhalten. Medienrezeption ist eine soziale Angelegenheit2 – das wird im Web 2.0 immer deutlicher.

Disclaimer: Dieser Artikel steht im Zusammenhang mit dem Forschungsprojekt “Social Software and Social Ethics“, das am Lehrstuhl Christliche Soziallehre und Allgemeine Religionssoziologie an der Uni Bamberg (Prof. Dr. Marianne Heimbach-Steins) unter meiner Leitung durchgeführt wird. Vgl. die Einträge in diesem Blog zum Forschungsprojekt unter dem Stichwort “SocSoftEthics


1 Vgl. Filipović, Alexander (2007): Neue Medienkompetenz und Beteiligungsgerechtigkeit. Herausforderungen für die Medien- und Kommunikationsethik. In: Communicatio Socialis, Jg. 37, H. 3, S. 233-245, hier: 238-243.

2 Wer da tiefer einsteigen möchte findet hier unter Umständen weitere Hinweise: Filipović, Alexander (2007): Öffentliche Kommunikation in der Wissensgesellschaft. Sozialethische Analysen. Bielefeld (W. Bertelsmann Verlag) 2007 (Forum Bildungsethik. 2), S. 109-111.

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Forschungsprojekt “Social Software und Social Ethics” in den Startlöchern

Donnerstag, 5. Juli 2007 | Autor: Alexander Filipović

In den kommenden Monaten läuft am Bamberger Lehrstuhl für Christliche Soziallehre ein Forschungsprojekt zur Internetethik an. Gestern ist offenbar mein Antrag auf Förderung durch die Universität Bamberg positiv beschieden worden. Das bedeutet: Es gibt Geld für die Anstellung einer studentischen Hilfskraft für 6 Monate. Der kleine Umfang des Projektes bedeutet natürlich, dass wir nur erste Spuren legen können und sich die Arbeit dann eher als Vorbereitung für ein größeres Projekt eignet.

Worum geht es?

Wikis, Weblogs und Internet-Plattformen wie Xing, StudiVZ, MySpace sind “social software” in dem Sinne, dass sie “auf ganz eigene Weise öffentliche (weil potenziell netzweit verfügbare) und interpersonale Kommunikation in sozialen Netzwerken unterschiedlicher Reichweite” 1 ermöglichen. Das Schlagwort Web 2.0 ist zwar in erster Linie ein in ökonomischen Zusammenhängen gebrauchtes Modewort, macht aber dennoch darauf aufmerksam, dass die Hoffnungen in den Anfangsjahren des Internet auf freie Information, gesteigerte Möglichkeiten der politischen Partizipation und Kommunikation erst jetzt, oder besser: in neuer Weise Wirklichkeit werden. Dabei erscheint besonders bedeutsam, dass diese sozialen Netzwerke offenbar auf Prozesse der Globalisierung reagieren. Mit Bezug auf das Glokalisierungskonzept von Roland Robertson 2 formuliert Danah Boyd:

“Web2.0 is about glocalization, it is about making global information available to local social contexts and giving people the flexibility to find, organize, share and create information in a locally meaningful fashion that is globally accessible. […] Web2.0 is a structural shift in information flow. […] it is about a constantly shifting, multi-directional complex flow of information with the information evolving as it flows. It is about new network structures that emerge out of global and local structures.” 3

Durch diese neuen Netzwerkstrukturen gerät das Verhältnis von partikulären Wertvorstellungen bzw. Entwürfen des guten Lebens und universellen, allgemeingültigen Überzeugungen und Handlungsempfehlungen in ein neues Verhältnis 4.

Die Weblogs ihrerseits zeigen, dass durch gemeinsame Schemata, gemeinsame Plattformen und Konventionen und eine starke Selbstreferentialität durch dauernde Bezugnahme auf andere Weblogs so etwas wie ein Sozialraum entsteht. Das Projekt Wikipedia ist im Sinne von Jimmy Wales, des Gründers der Internet-Enzyklopädie, ein sozialethisches Projekt, das eine offene Gesellschaft, eine “global healthy community”, befördern kann. Wikipedia ist damit ein weltweites gemeinsames Aufklärungsprojekt, an dem alle mitarbeiten können und das seinen Wert erst in der gemeinsamen Arbeit herausbildet 5.

Fragestellung und Ziele

Wegen der aktuellen Bedeutsamkeit dieser Entwicklungen sollen Möglichkeiten der sozialethischen und sozialphilosophischen Beschäftigung mit diesem Phänomen gefunden werden. “Social Software” soll als Gegenstand von Sozialethik rekonstruiert werden. Damit soll es möglich sein, die rasant zunehmende Forschungsliteratur aus den Bereichen Soziologie und Kommunikationswissenschaften in sozialethischer Perspektive zu beleuchten; dies nicht zuletzt mit dem Ziel, der notwendigen empirischen, darstellenden Untersuchungsmethode eine ebenso notwendige normative Reflexion zur Seite zu stellen, die Beteiligungs- und Gerechtigkeitsfragen und andere normative Politikvorstellungen wissenschaftlich verantwortet in die Diskussion einbringt.

Der sozialethische Ansatz mag für die Weblog- und Social Software-Forschung ein wenig ungewohnt sein. Ich bin selber sehr gespannt, welche Möglichkeiten sich hier ergeben und hoffe, dass es zu einem Austausch über die Ergebnisse kommt. Wer Ideen, Fragen und Anregungen hat: Bitte gerne.


1 Schmidt, Jan (2006): Weblogs als “Social Software”. Online verfügbar unter http://www.politik-digital.de/edemocracy/netzkultur/blogger/ jschmidtWeblogsSocialSoftware060214.shtml.

2 Robertson, Roland (1995): Glocalization: Time-Space and Homogeneity-Heterogeneity. In: Featherstone, Mike (Hg.): Global Modernities. London: Sage (Theory, Culture & Society), S. 25–44.

3 Boyd, Danah (2005): Why Web2.0 Matters: Preparing for Glocalization. Online verfügbar unter http://www.zephoria.org/thoughts/archives/ 2005/09/05/why_web20_matte.html).

4 vgl. ebd.

5 Vgl. dazu auch die kurzen Notizen zu einem Vortrag von Wales hier in diesem Blog.

Thema: (Sozial)Ethik, Medienethik, Philosophie, SocSoftEthics, Software, Weblogs, Wissenschaft | 7 Kommentare

Panel zu Wikis und Weblogs (DGPuK2007)

Freitag, 18. Mai 2007 | Autor: Alexander Filipović

Am zweiten Tag der DGPuK Jahrestagung besuche ich das Panel “Wikis und Weblogs”. Es ist so voll, dass die Leute hinten stehen müssen. Dass ich jetzt hier in meinem Weblog über Vorträge zu Weblogs schreibe, verweist ja schon auf selbstreferentielle Aspekte, die wahrscheinlich gleich angesprochen werden. Zu den Vorträgen:

  • Florian Meyer und Dennis Schoenenborn sprechen über “WikiWebs und die Organisation von Wissen”. Es geht los mit einer Einführung in das Wiki-Prinzip, damit alle auf dem gleichen Stand sind, bevor dann zu den Anwendungsbereichen in Organisationen übergeleitet wird. Die Forschungsfrage wird anhand der Unterscheidung von Wikis im öffentlichen und organisationalen Raum entwickelt. Da Organisationen auf Entscheidungen angewiesen sind, haben Wikis hier natürlich eine andere Anforderung an das in den Wikis erstellte und veröffentlichte Wissen. Eine Herausforderung für die Organisationen besteht darin, die Organisationsmitglieder auf das Wiki aufmerksam zu machen (Wiki als Organisationsleitmedium). Besondere organisationale Relevanz hat das wikieigene Spannungsfeld von Restriktion und Offenheit. Dennis Schoenenborn übernimmt dann und stellt wichtige neue Perspektiven der Organisationskommunikationsforschung vor. Eine wichtige Referenztheorie ist die Organisationstheorie von Niklas Luhmann (Organisation als Kommunikation von Entscheidungen). Folglich geht es bei Wikis in Organisationen um Entscheidungskommunikation. Mit den Wikis entsteht dann eine “Beobachtbarkeit des Entstehungsprozesses organisationalen Handelns”.

In der direkt anschließenden Diskussion geht es um die Einpassung von egalitär funktionierenden Wikis in hierarchisch strukturierten Wikis (Machtspekte), um die Bedeutung von Mitgliedsrollen und die Frage, ob das Luhmannsche Verständnis von Organisationen wirklich passt.

  • Jens Köster spricht über “Wikipedia: Informativ oder qualitativ bedenklich”? Informationen werden in ökonomischer Manier als Ressourcen begriffen. Als Schwierigkeit erweist sich, dass keine Qualitätskriterien für Lexikonartikel vorliegen, jedenfalls nicht in der wissenschaftlichen Literatur. Hier soll eine Untersuchung von journalistischen Qualitätskriterien weiteren Aufschluss geben. Das ergibt einige interessante Perspektiven auf die Erstellung von Wikipedia-Einträgen, die ja auch z.B. recherchiert, geprüft und redigiert werden. Folgende Qualitätskriterien werden vorgestellt: Objektivität, Verständlichkeit, Vollständigkeit und mediengerechte Themenaufbereitung (in Bezug auf die Möglichkeiten des Internets. Ergebnis der Untersuchung: Die Qualität der Einträge ist sehr heterogen. Gute Qualität erkennt er z.B. hinsichtlich Verständlichkeit, eher schlechte in der Dimension Quellenangaben.
  • Christoph Neuberger, Christian Nuernbergk und Melanie Rischke stellen Ergebnisse eines Forschungsprojektes zur Frage nach “Weblogs und Wikipedia als Quelle und Thema des Journalismus” vor. Einführend werden die partizipativen Formate im Web 2.0 angerissen und dem Journalismus gegenübergestellt. Zur Debatte steht also die Beziehung zwischen partizipativen Formaten und dem Journalismus. Gibt es also integrative Tendenzen, ein komplementäres Verhältnis, Kooperationsverhältnisse oder eine Konkurrenz zwischen beiden Formaten. Christian Nuernbergk stellt zunächst die Methodik, die Anlage und die Dimensionen des Forschungsprojektes vor. Das Fazit: Es gibt viele Hinweise auf ein komplexes Beziehungsgeflecht zwischen Weblogs und Journalismus.

Im Austausch nach den beiden Beiträgen kommen methodische Fragen, die Problematik des Wikipediagebrauchs durch Journalisten, neue Anforderungen zur Herstellung von Öffentlichkeit durch Journalisten und die Qualitätskriterien von Wikipedia-Artikeln zur Sprache.

Ein interessantes Panel mit einer munteren und spannenden Diskussion.

Thema: DGPuK2007, Weblogs, Wissenschaft | 2 Kommentare

Wenn der Weihbischof ein Weblog hat…

Montag, 23. April 2007 | Autor: Alexander Filipović

Gerade lese ich in Steffen Büffels Media-Ocean mit Erstaunen, dass der Trierer Weihbischof Dr. Stephan Ackermann ein Weblog gestartet hat. Der Name des Blogs, nämlich “Heilig-Rock-Blog” sagt dem/der Kundigen der Volksfrömmigkeit schon, worum es geht, nämlich um das Stückchen Stoff, das Jesus Christus weiland am Leibe getragen hat. Mein Opa jedenfalls schwärmte bis zu seinen letzten Lebenstagen von seiner Fahrt zum Heiligen Rock nach Trier (was ca. Mitte der 1930er Jahre gewesen sein muss…). Kostprobe:

“Zur Domvesper am Abend sind dann die Mönche der Abtei St. Matthias zu Gast. Nach guter Tradition besuchen sich die Domgeistlichen und die Benediktiner wechselseitig jedes Jahr. Beide Gemeinschaften haben den Auftrag, auf je ihre Weise die christlichen Wurzeln Triers zu hüten: das Apostelgrab, die Gräber der ersten Trierer Bischöfe und die Anfänge des Domes unter Kaiser Konstantin. Dieser Auftrag verbindet irgendwie.” (Quelle)

Den Stil finde ich ansprechend und das Weblog ist für Besucherinnen und Besucher des Events “Heilig Rock Tage 2007” (mit dem sinnfälligen Motto “Auf Tuchfühlung mit Gott”) bestimmt informativ.

Und wenn jetzt noch ein Bischof ein Weblog startet, in dem er reflexiv über Leitungsentscheidungen, Projekte und Zukunftsaufgaben schreibt und Raum für Diskussionen und Meinungen bereitstellt, gibts noch mehr Zustimmung…

Update: Nur Schade, dass sich gleich wieder Schwachstilluminierte in den Kommentaren verbreiten… Zitat aus Kommentar Nr. 7: “neosadduzäischen Pseudokardinal Belzebub-Rattzinger”. Ähh, gehts noch? Vielleicht ist das ja morgen weg.

Thema: Theologie, Weblogs | Beitrag kommentieren

Marketing im Web2.0 – Heute: Fakeblogging

Mittwoch, 4. April 2007 | Autor: Alexander Filipović

Für einen Vortrag über “Dramaturgie und Marketing als Gegenstand von Sozialethik” habe ich schon mal hier einige Ressourcen zu viralem Marketing, Guerilla-Marketing und neuen Entwicklungen im Grenzgebiet zwischen PR, Werbung, Jornalismus und Weblogs aufgeführt. Heute lese ich auf dem Wortfeld die krasse Calvinisten-Geschichte

Stellen wir uns einfach auf ein Leben ein, in dem Wahrheit, Gewissheit und Glaubwürdigkeit old-fashioned ist oder halten wir an der Forderung fest, dass (öffentliche) Kommunikation irgendwie wahrhaftig sein soll? Bin mir da gerade unsicher…

Thema: (Sozial)Ethik, Medienethik, Weblogs | Beitrag kommentieren

“Identity is social” (claimID)

Mittwoch, 21. März 2007 | Autor: Alexander Filipović

Dass Identität ein Ergebnis sozialer Prozesse ist, ist klar und wird durch die steigende Relevanz sozialer Netzwerke heute deutlich: Identitätsmanagement wird zugleich anspruchsvoller und wichtiger und social networks (meinetwegen im Web2.0) helfen dabei. Die Identität gibt es nicht in der Realität, genauer: gibt es nicht unabhängig von einem Beobachter dieser Identität. Es gibt nur Darstellungen (”Erzählungen”) von Identitäten. Das heißt auch, dass Identität gestaltet werden muss, mit anderen Worten: uns, den Menschen, aufgegeben ist. “Identität” ist damit ein Gegenstand sozialethischer Reflexion.

OpenID ist ein Rahmen für die digitale Identität (oder: a “free framework for user-centric digital identity”, ebd.). Aber auch eine digitale Identität kommt nicht ohne “Kontakt”, “Kommunikation” und “Interaktion” aus. ClaimID (schon vorher mehr als ein OpenID-Server) hat jetzt ein Feature eingebaut, mit dem man Kontakte über OpenIDs herstellen und pflegen kann. Zitat:

With more and more services producing OpenIDs (AOL, Wordpress.com, etc), it just makes sense to build this contact system on top of OpenID. Making contact networks, or social networks, or whatever you want to call them OpenID-based is the future… (Quelle)

Irgendwie ist die Sache mit den OpenIds für mich noch ein wenig schleierhaft und geheimnisvoll, vermute aber, dass das in Zukunft Teil unseres Lebens sein wird und ein riesiges Potenzial besitzt (vgl. auch hier). Deswegen ist dieses Weblog (http://geloggd.alexander-filipovic.de) und die Portalseite (http://www.alexander-filipovic.de) und mein claimID-Accout meine OpenID. Jetzt bin ich im Netz.

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Customizing K2: Header Images and Pages

Donnerstag, 25. Januar 2007 | Autor: Alexander Filipović

Eigentlich ganz einfach: Für www.netzwerk- medienethik.de wollte ich das Wordpress-Theme K2 so anpassen, dass die von Stefanie Frie und Jeldrik Pannier (sýn – Gestaltung und Medienpädagogik) grandios gestalteten Grafiken relativ zu den gerade aktiven Seiten (pages) erscheinen. Im Klartext: Für das Weblog eine entsprechende Header-Grafik, für die statische Seite “Jahrestagung” eine andere entsprechende Header-Grafik usw. Gerade für die Aufgabe, mit Wordpress eine Website mit relativ viel statischem Inhalt zu erstellen (Wordpress also als CMS zu benutzen), ist das ganz hübsch.

Dass das mit conditional tags geht, war schnell klar. Aber wie genau und wohin der Code? Ausgehend von den Hinweisen bei texto.de (Danke!) habe ich dann am Code herumgebastelt; naja, besser: probiert und geschaut, ob es geklappt hat. Folgender Schnipsel kommt in die header.php anstatt <div id=”header”>

<div id="header" style="background: #CCC url('<?php
bloginfo('stylesheet_directory');

if (is_home()) {
echo "/styles/af/head.jpg";

} elseif (is_single()) {
echo "/styles/af/head.jpg";

} elseif (is_page('jahrestagung')) {
echo "/styles/af/head_tag.jpg";

} elseif (is_page('profil-und-selbstverstaendnis')) {
echo "/styles/af/head_sel.jpg";

} elseif (is_page('literatur')) {
echo "/styles/af/head_bib.jpg";

} elseif (is_page('kontakt')) {
echo "/styles/af/head_kon.jpg";

} elseif (is_page('impressum')) {
echo "/styles/af/head_imp.jpg";

} else {
echo "/styles/af/head_tag.jpg";

} ?>
');">

Die Pfadangaben für die Grafiken sind relativ zu der Datei header.php zu bestimmen. Zweckmäßiger Weise liegen diese im persönlichen Ordner, den man im Ordner “styles” anlegt. Alle anderen Formatangaben stehen in der betreffenden *.css-Datei.

Apropos andere Formatangaben: K2 habe ich gewählt, damit ich die (ehrenamtliche) Betreuung der Website www.netzwerk-medienethik.de irgendwann auch einmal abgeben kann und sich die Nachfolgerin/der Nachfolger gut zurecht findet. Aber: Formatanpassungen sind wohl noch weiter notwendig.

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